Deckungsgrad der Pensionskassen zeigt erste Fiebersymptome

Zürich, 3. April 2020 – Eine ausserordentliche Lage in der Schweiz, immer mehr Infizierte und einschneidende Massnahmen von Regierungen weltweit. Das Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte, wovon mitunter Schweizer Pensionskassen betroffen sind: Die Gewinne aus dem hervorragenden Anlagejahr 2019 sind mehr als aufgebraucht. Der durchschnittliche Deckungsgrad sank von 109.5% (Ende 2019) auf nur mehr 101.7% per Ende März 2020.

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Zum Jahresauftakt verzeichneten die Aktienmärkte noch ein Plus, drehten dann aber bereits im Laufe des Februars ins Negative. Bis Ende Februar betrug der Deckungsgradverlust erst 2,4 Prozent. Das Polster ist aufgrund der negativen Marktstimmung seither weggeschmolzen. Complementa schätzt, dass Schweizer Pensionskassen in den vergangenen vier Wochen knapp 90 Milliarden Franken an Kapitalverlusten tragen mussten. An einzelnen Tagen im März rutschte der Deckungsgrad vorübergehend gar unter die Marke von 100%.

In der Schweiz ist die 2. Säule etwa zu 30% in Aktien investiert. Die Corona-Krise hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die traditionellen Anlageklassen, sondern auch auf Immobilien, welche bei Pensionskassen in den vergangenen Jahren auf zuletzt rund 20% des Vermögensmix angewachsen sind. Investoren müssen sich beispielsweise auf Mietstundungen oder Mietverzicht einstellen, was die Anlageklasse nach Einschätzung der Complementa-Experten jedoch derzeit nicht grundsätzlich in Frage stellt.

Die weiteren Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft sind derzeit noch nicht zu beziffern. Während China die Wirtschaft bereits wieder hochfährt, stehen andere Nationen erst am Anfang der eigentlichen Pandemie-Bekämpfung. Unternehmen weltweit erleiden teils einschneidende Umsatzeinbussen und reagieren mit Kostensenkungen, Kündigungen oder soweit möglich mit Kurzarbeit und im drastischsten Fall mit Schliessungen.

Um diesen gewaltigen Herausforderungen zu begegnen, haben zahlreiche Regierungen rund um den Globus riesige Hilfsprogramme beschlossen. Inwieweit diese die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu dämpfen vermögen, wird sich erst noch weisen. Zeitgleich arbeitet die Forschung intensiv an einem Impfstoff. Dessen erfolgreiche Entwicklung oder die Abflachung der Ansteckungskurve sind nach Auffassung von Complementa grundsätzlich als positive Impulse für die Finanzmärkte zu werten.

Weiterhin gilt für Pensionskassen der Grundsatz, eine breit diversifizierte und individuell angepasste, langfristige Anlagestrategie mit entsprechenden strategischen Bandbreiten zu verfolgen. Diese Regel hat sich in vergangenen Krisen bewährt, sowohl um Verluste zu begrenzen als auch um an der folgenden Erholung zu partizipieren.

Complementa weist darauf hin, dass dies eine Schätzung ist (Daten bis einschliesslich 31. März 2020 berücksichtigt) und lediglich eine Momentaufnahme darstellt. Ungeachtet der Marktsituation ist die Schweizer Politik gefordert, die strukturellen Herausforderungen der 2. Säule zukunftsträchtig und generationenverträglich zu lösen. Denn die aktiven Arbeitnehmer, welche aktuell durch die Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen Massnahmen zum Schutz der Generation 65plus von Kurzarbeit und Kündigungen betroffen sind, finanzierten bis anhin bereits die Umverteilung an dieselbe Generation durch die zu hohen Umwandlungssätze.

 

Hinweise zum Complementa Deckungsgrad-Index:

  • Der Complementa Deckungsgrad-Index basiert auf dem gewichteten Durchschnitt der Bilanzen der Teilnehmer am Complementa Risiko Check-up.
  • Die simulierten Zahlen für 2019 und 2020 basieren auf Indexperformances und auf den durch Complementa errechneten Verzinsung plus Zuschlag und repräsentieren den durchschnittlichen kapitalgewichteten Deckungsgrad.
  • Datenstand bis einschliesslich 31. März 2020.
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