Kommentar zum Klima-Rating

Kommentar von Heinz B. Rothacher, CEO Complementa AG, zum Klima-Rating von Schweizer Pensionskassen durch die Klima-Allianz Schweiz

Das jüngst veröffentliche Klima-Rating der Klima-Allianz Schweiz stellt den hiesigen Vorsorgeeinrichtungen fast durchwegs ein schlechtes Zeugnis aus. Mit roter und oranger Ampelfarbe untermalt werden Leser aufgescheucht, dass 92% der Vorsorgegelder in der 2. Säule durch Pensionskassen angelegt werden, welche sich nicht ums Klima scheren würden. Moniert wird durch die Autoren aber auch, dass vielerorts keine Daten verfügbar sind oder publik gemacht werden.

Die dogmatischen Aussagen im Klima-Rating decken sich nicht mit den Erfahrungen von Complementa in der täglichen Arbeit mit Anlageverantwortlichen und Stiftungsräten von Schweizer Pensionskassen: Viele Vorsorgeeinrichtungen befassen sich aktiv mit dem Thema Nachhaltigkeit, so wie es auch vom ASIP empfohlen wird. Im Gegensatz zu den einseitigen Forderungen zur Reduktion der fossilen Energie und Dekarbonisierung gehen viele Kassen weiter. Sie setzen sich im Sinne von ESG (Environment, Social, Governance) nämlich mit allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit auseinander.

Nicht alle Vorsorgeeinrichtungen haben ihr Nachhaltigkeitsbekenntnis bereits schriftlich festgehalten, auch wenn dies prinzipiell empfehlenswert ist und Verbindlichkeit schafft. Immer öfter finden Nachhaltigkeitsaspekte aber schon Eingang in die Auswahl der Asset Manager. Voraussetzung hierfür ist ein Nachhaltigkeits-Bekenntnis der Vorsorgeeinrichtung, welches erst durch die Verantwortlichen definiert und formuliert werden muss (bevor es für Dritte einsehbar ist).  Aber – ein fehlendes Nachhaltigkeitskonzept bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass keine Nachhaltigkeitsaspekte in der Vermögensverwaltung berücksichtigt werden. Beispielsweise bei unseren Kunden mit einer Delegation der Vermögensverwaltung stellen wir nämlich fest, dass die mandatierten Asset Manager ihrerseits meist strukturierte Nachhaltigkeitsansätze in der Umsetzung befolgen. Auch wenn diese inhaltlich unterschiedlich ausgestaltet sind, gründet dies (nebst der Impact-Zielsetzung) mitunter auch darauf, dass die Selektion keine einfache Schwarz-Weiss-Malerei (resp. rot, orange und grün) ist, sondern eine Vielzahl an Aspekten und Informationen sorgfältig abgewogen werden müssen. Dazu gehören nicht nur der Blick in die Vergangenheit, sondern auch die prospektive Würdigung der von den kritisierten Unternehmen eingeschlagenen Pfade mitsamt Umbauten ganzer Geschäftsfelder.

In einem Bereich allerdings haben Vorsorgeeinrichtungen tatsächlich noch Aufholbedarf: Wohingegen ein periodischer Investment-Report längst zur Grundausstattung der Organe gehört, hat sich ein entsprechendes «ESG-Reporting» zur Messung der Nachhaltigkeit noch nicht durchgesetzt. Mit einem solchen liesse sich – beispielsweise unter anderem auch in Bezug auf den CO2-Fussabdruck des Anlageportfolios, die Nachhaltigkeit messen, überwachen und steuern. Man darf den PK-Verantwortlichen aber nachsehen, dass sie in einem anhaltenden Tiefst- und Negativzinsumfeld, in Zeiten einer andauernden Coronakrise und vor dem Hintergrund eines viel zu hohen Mindestumwandlungssatz stets auch das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verlieren: die Sicherung der Renten für die Versicherten ihrer Betriebe.

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