Regelbasierte Ordnung im Umbruch

Pensionskassen sind gut aufgestellt, haben Reserven und eine breit diversifizierte Anlagestrategie, sagt Markus Wirth, CEO der Complementa. Die Unsicherheiten sind aber hoch und die Risiken müssen verstanden werden, warnt er.

Markus Wirth, CEO Complementa AG, im Interview mit Susanne Kapfinger, AWP Soziale Sicherheit.

Susanne Kapfinger: Die Zürcher Kantonalbank hat Complementa vor gut einem Jahr als strategische Ergänzung im Global Custody Geschäft übernommen. Welche Synergien ergeben sich daraus?

Markus Wirth: Die Übernahme der Complementa durch die ZKB ist kein Synergie-Case. Wir produzieren für Global Custody-Kunden der Zürcher Kantonalbank massgeschneiderte Investment Reportings. Das heisst, sobald die Reporting-Anforderungen des Kunden über einen gewissen Standard hinausgehen, übernimmt die Complementa. Trotzdem rechnen wir mit Kosten- und Effizienzgewinnen. So erwarten wir beim Dateneinkauf gewisse Kostenvorteile. Zudem wollen wir die Reports, die wir für die ZKB und unsere Direktkunden anfertigen, möglichst vereinheitlichen.

Welchen Vorteil hat das für die Kunden?

Reporting-Services sind über die Jahre anspruchsvoller geworden. Die Kunden-Anforderungen an ein gutes Reporting steigen. So kann eine aussagekräige Performance eines Limited Partnerships nicht einfach wie die einer Aktie gemessen werden. Oder es gilt das ESG-Reporting weiterzuentwickeln. Mit der ZKB als Eignerin stehen mehr Ressourcen für Weiterentwicklungen zur Verfügung.

Wird ESG ein Standard-Filter für alle Anlagen sein oder sehen Sie eine Gegenbewegung?

In der ASIP-Charta steht im ersten Abschnitt: Das oberste Ziel von Pensionskassenverantwortlichen muss die Wahrung der Interessen der Versicherten und Rentenberechtigten sein. Dazu gehört ein transparenter und verantwortungsvoller Umgang mit ESG-Temen bei der Festlegung der Anlagestrategie. Auch wenn Nachhaltigkeitsthemen bei gewissen Politikern und Unternehmen in letzter Zeit an Bedeutung verloren haben, werden die Pensionskassen das Thema weiter auf der Agenda haben und ihre ESG-Strategie weiterentwickeln. Ich kann keine Gegenbewegung ausmachen.

Welche weiteren Trends beobachten Sie?

Bei den Anlagen sehen wir gemäss unserer Pensionskassen-Studie 2025 einen stabilen Anlagemix. So liegt etwa der Anteil der Alternativen Anlagen seit mehreren Jahren bei rund 10 Prozent. Innerhalb der Alternativen Anlagen haben die Infrastrukturanlagen und Private Equity zugelegt. Hier gilt es jedoch zu erwähnen, dass es teilweise anspruchsvoll ist, für die zur Verfügung stehenden Mittel erfolgversprechende Anlagen oder attraktive ExitMöglichkeiten zu finden.

Können Sie das begründen?

Das hängt auch mit den aktuell unsicheren Zeiten zusammen. Unsere regelbasierte Werteordnung, welche auf gemeinsamen Werten und Regeln vieler Staaten basiert, verliert an Bedeutung. Das kann zu strukturellen Veränderungen auf dem Kapitalmarkt führen. Hier stellt sich die Frage, was die Konsequenzen sind, wenn Verträge plötzlich zur Makulatur werden.

Welche weiteren Herausforderungen gibt es im Bereich Private Equity?

Generell schwierig ist eine mit dem Aktienmarkt vergleichbare Performancemessung und die korrekte Entschädigung der Risiken. Bei Private Equity haben wir neben der Illiquidität ein im Vergleich zum Gesamtmarkt höheres Markt- und Unternehmensrisiko. Diese Risiken müssen entschädigt werden. Und das Problem bei der Performancemessung ist, dass es bei der Unternehmensbewertung keinen Marktpreis gibt, sondern nur Modellrechnungen.

Was empfehlen Sie?

Für einen Vergleich einer Aktie mit einem Private Equity kann allenfalls die Kalkulation des Public Market Equivalents weiterhelfen, bei welcher die Commitments und Kapitalrückzahlungen mitberücksichtigt werden.

Hier können Sie das Interview auf der Seite AWP Soziale Sicherheit oder im PDF-Format lesen.
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