Rendite ist kein Qualitätsurteil

Wer hat die beste Rendite? Anhand der Performance können Sammel- und Gemeinschafts­einrichtungen (SGE) ihre Anlageleistung miteinander vergleichen. Doch eine gute Rendite allein sagt wenig aus. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sind Verzerrungen heraus­zufiltern.

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Renditevergleiche sind sinnvoll, um die eigene Performance zu prüfen, werden aber problema­tisch, wenn sie isoliert als Qualitätsurteil heran­gezogen werden. In der Praxis werden häufig Ä­pfel mit Birnen verglichen. Verzerrungen entstehen insbesondere durch unterschiedliche Anteile an Aktien und alternativen Anlagen, Währungsalloka­tionen oder Bewertungsmethoden. Auch die Volatilität eines Portfolios wird oft vernachlässigt, ob­wohl sie entscheidend für die Risikoeinschätzung ist.

Überdurchschnittliche Renditen können schlicht durch höhere Aktienquoten oder Fremdwährungs­anteile entstehen. Im Zeitraum von 2015 bis 2024 erzielten SGE im Durchschnitt eine Rendite von 3.4% p.a., während firmeneigene Kassen (FPK) 3.7% p.a. erreichten. Gleichzeitig lag die Volatilität bei SGE mit 5.9% leicht über jener der FPK (5.7%), was auf eine etwas bessere Rendite- oder Risikoeffizienz der FPK hindeutet.

Die Beraterproblematik bei ALM-Studien

ALM-Studien (Asset Liability Management) kom­men bei Vorsorgeeinrichtungen für strategische Entscheidungen zum Einsatz. Sie vermitteln Ob­jektivität, hängen in der Praxis aber stark von An­nahmen, Szenarien und Modellen ab. Interessen­konflikte können entstehen, wenn dieselben An­bieter sowohl die ALM-Studie erstellen als auch Anlagen umsetzen. Gerade hier zeigt sich der Mehrwert einer unabhängigen lnvestment-Con­sulting- und -Controlling-Funktion. Unabhängige Analysen stellen sicher, dass Strategien nicht rück­wärts aus bestehenden Produkten optimiert wer­den, sondern aus der effektiven Risikofähigkeit und den Vorsorgezielen der Einrichtung abgeleitet sind. Dank dieser Unabhängigkeit erfolgt die Be­ratung objektiv, transparent und auf fundierter Entscheidungsgrundlage.

Risikofähigkeit von SGE und Anlagestrategie

SGE unterscheiden sich strukturelI von firmen­eigenen Pensionskassen. Aufgrund ihrer meist breiten Versichertenbasis, der Vielzahl ange­schlossener Arbeitgeber und laufender Neubei­träge verfügen sie in der Regel über eine höhere strukturelle Risikofähigkeit. Verluste können besser über das Kollektiv verteilt werden, und temporäre Unterdeckungen lassen sich leichter stabilisieren.

Auf der anderen Seite haben FPK die Möglichkeit, ihre gesamte Leistungsstruktur sehr individuell auszugestalten. Gleichzeitig ist jedoch zu berücksichtigen, dass SGE mit Kollektivlösungen im Gegensatz zu FPK in der Regel nicht über einen klar definierten, dauerhaft haftenden Arbeitgeber verfügen. Die Sanierungsfähigkeit ist daher eingeschränkt, da zusätzliche Sanierungsmassnahmen das Austrittsrisiko angeschlossener Arbeitgeber erhöhen können. Daneben haben FPK die Möglichkeit, ihre gesamte Leistungsstruktur sehr individuelI auszu­gestalten.

Ein Blick auf die finanzielle Position und die Strategie verdeutlicht die Unterschiede. Gemäss der Complementa Pensionskassen-Studie (Risiko Check-up 2025)1 lag der durchschnittliche Deckungsgrad 2024 für SGE bei 111.3%, während jener der FPK bei rund 120% lag. Der deutlich höhere Deckungsgrad der FPK weist auf eine stärkere finanzielle Risikofähigkeit hin, der als Puffer gegen Marktschwankungen dient. Ein Vergleich der durchschnittlichen Anlagestrategien (siehe Grafik) zeigt, dass SGE per 31. Dezember 2024 einen höheren Aktienanteil von rund 33.8% aufweisen, während FPK bei 28.3% liegen.

Daraus resultiert langfristig eine höhere erwartete Rendite, jedoch zwangsläufig auch eine höhere Volatilität. Höhere Anlagerenditen bedeuten aber nicht automatisch bessere Vorsorgeleistungen. Der effektive Nutzen für die Versicherten wird wesentlich durch technische Parameter, Kosten sowie durch kollektive Umverteilungs- und Glättungseffekte geprägt und kann vom reinen Anlageergebnis abweichen. Dabei kommt dem Umwandlungssatz eine zentrale Bedeutung zu, der bei SGE mit durchschnittlich 5.5% über dem Niveau der FPK (rund 5.0%) liegt. Der höhere Umwandlungssatz ermöglicht zwar attraktivere Rentenleistungen, erhöht aber die langfristigen Verpflichtungen und reduziert den Spielraum für eine hohe Verzinsung. Entspre­chend zeigt sich im Beitragsprimat, dass die durchschnittliche Ver­zinsung der Altersguthaben im Zeitraum von 2015 bis 2024 bei SGE mit 2.3% unter jener der FPK von 3.0% lag.

Vorsicht vor isolierten Zahlen

Renditevergleiche sind nützlich, müssen jedoch stets im Risikokontext betrachtet werden, da isolierte Zahlen zu Fehlinterpretationen führen können. SGE verfügen über eine höhere strukturelle Risikofähigkeit, während FPK dank höherer Deckungsgrade von stärkeren finanziellen Risikopuffern profitieren. Historisch erzielten FPK eine leicht bessere Rendite-/Risikoeffizienz, während SGE derzeit risiko­reicher positioniert sind. Unterschiede bei Umwandlungssatz und Verzinsung sind systembedingt und prägen den Nutzen für die Ver­sicherten. langfristig könnten SGE, insbesondere aufgrund ihrer aktuell etwas risikoreicheren Vermögensstruktur, eine relative Out­performance gegenüber FPK erzielen.

Take Aways

  • Renditevergleiche sind sinnvoll, um die eigene Performance mit jener der Konkurrenz zu messen.
  • Problematisch ist es, wenn Rendite­vergleiche isoliert betrachtet werden. Eine gute Performance allein ist nicht unbedingt ein Qualitätsurteil.
  • Fehlinterpretationen können entste­hen, wenn die Risikosituation einer SGE isoliert betrachtet wird.

Autoren

Janick Rensch und Thomas Breitenmoser

 


1 vgl. Artikel Rothacher; Sikora, SPV 10-2025, Seite 4: Risikosteuerung als Renditefaktor

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