Wie Schweizer Pensionskassen mit Risiken umgehen

Anlagen werden als illiquide bezeichnet, wenn sie nicht handelbar sind oder deren Handel mit hohen Kosten verbunden ist. Zu den illiquiden Anlagen zählen demnach Immobilien­anagen, Hypotheken sowie diverse alternative Anlagen (u. a. Privatmarktanlagen, nicht­kotierte ILS).

 

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Die systematische Nutzung illiquider beziehungsweise alternativer Anlageklassen zur Erzielung einer Mehrrendite geht auf die Arbeit der Yale-Universitätsstiftung in den 1980er Jahren zurück. Gemeinsam mit der Harvard University übernahm sie in den darauffolgenden Dekaden eine Vorreiterrolle.

Seit den 2000er Jahren ist weltweit ein deutlicher Anstieg der Quote illiquider Anlagen bei institutionellen Investoren zu beobachten. Das anhaltende Tiefzins­umfeld und die dadurch bedingte Suche nach neuen Rend itequellen waren we­sentliche Treiber der steigenden Alloka­tionen. Auch die Regulierung und das steigende Produktangebot trugen zu die­ser Entwicklung bei.

Betrachtet man die Schweizer Pensions­kassenlandschaft, so lässt sich festhalten, dass die Quote an alternativen Anlagen und Immobilien von 2011 bis 2025 deut­lich angestiegen ist. Bei den alternativen Anlagen pendelte sich die Quote seit 2017 bei rund 10% ein (2011 bei 6.8%), wobei vor allem in der Periode 2013 bis 2017 ein ausgeprägter Anstieg zu ver-zeichnen war. Die lmmobilienallokationen stiegen im gleichen Zeitraum von 16.9 auf 22.6%. Die kombinierte Quote dieser beiden Anlagekategorien stieg somit von 23.7 auf 32.4%. Berücksichtigt man auch die Hypotheken, so liegt die kapitalgewichtete Durchschnittsallokation illiquider Anlagen per Ende 2025 bei 35.7% (2011 bei 28.2%).

Massnahmen und Umgang

Um von den Vorteilen alternativer Anla­gen und Immobilien profitieren zu kön­nen, sollten die negativen Aspekte der Illiquidität mit verschiedenen Massnah­men adressiert werden.
Der Umgang mit llliquiditätsrisiken be­ginnt bereits bei der Ausarbeitung der Anlagestrategie. Eine hohe llliquiditäts­quote führt allgemein dazu, dass die eigene Flexibilität eingeschränkt wird. Investoren müssen demnach den jeweili­gen Mehrwert zusätzlicher illiquider An­lagen gegenüber der abnehmenden Flexi­bilität abwägen. Bei der Festlegung der Höhe der llliquiditätsquote sollten neben den Verpflichtungen und der individuel­len Cashflow-Situation auch der Anteil risikobehafteter Anlagen berücksichtigt werden. So folgt aus einem höheren Ak­tienanteil bei sonst gleichen Vorausset­zungen tendenziell ein geringerer Anteil an illiquiden Anlagen.

Die in der ALM-Studie ausgearbeiteten Strategievarianten sollten zudem Stress­tests unterzogen werden. Dies soll ein Verständnis für die Verschiebung der An­lageklassengewichte während Markt­rückschlägen vermitteln.

Ein steigender Anteil an illiquiden Anla­gen erhöht auch die Anforderungen an die Anlageorganisation, die Portfolio­überwachung und das Reporting. Die Be­wirtschaftung eines komplexen Portfo­lios erfordert definierte und geordnete Prozesse für die laufende Bewirtschaf­tung. Dies soll sicherstellen, dass Zeich­nungsprozesse durchgeführt, Kapitalab­rufe bedient und Geldströme korrekt ver­bucht werden.

Im Rahmen der Strategieimplementierung gilt es, eine Liquiditäts- und lnvestitionsplanung aufzustellen. Die Liquiditätsplanung gibt in diesem Kontext eine Übersicht über die Höhe und die zeitliche Abfolge der zu erwartenden Mittelflüsse. Die Investitionsplanung zeigt auf, wie viel in welchem Jahr investiert oder des­investiert werden muss.

Wie beim Gesamtportfolio sollte auch bei illiquiden Anlagen eine angemessene Di­versifikation angestrebt werden. Diese sollte entlang verschiedener Dimensio­nen (u.a. Subkategorien, Industrien, Geo­grafie, Manager, Vintage-Jahr) erfolgen.

Wie gestalten Pensionskassen den Umgang mit illiquiden Anlagen?

Im Rahmen der aktuellen Complementa Risiko Check-up-Studie haben wir Schweizer Pensionskassen zum Thema «Illiquide Anlagen und llliquiditätsri­siken» befragt. An der diesjährigen Um­frage zum Sonderthema haben 212 Pen­sionskassen teilgenommen.
Rund ein Drittel der befragten Vorsorgeeinrichtungen hat eine explizite Obergrenze für illiquide Anlagen festgelegt. Bei den übrigen Pensionskassen bestehen zwar keine festen Limiten, die Höhe der Quoten wird aber in der Regel durch verschiedene Faktoren begrenzt. So weisen 68% der Befragten darauf hin, dass die abnehmende Flexibilität eine relevante Einschrän­kung für die Höhe der llliquiditätsquote darstellt. Auch die höhere Kom­plexität und die operativen Aufwände werden von etwa zwei Dritteln der Befragten als begrenzenden Faktor angesehen. Weitere einschränkende Faktoren sind regulatorische Vorgaben, Unsicherheiten auf der Verpflich­tungsseite und die Höhe der Gesamtkostenquote (siehe erste Grafik).

In den letzten Jahren sanken die Ausschüttungen verschiedener Private ­Markets-Vehikel. Bei ausländischen Immobilienanlagen wurden in ver­schiedenen Fällen zudem Rückzahlungen ausgesetzt, Vehikel geschlossen oder vereinzelt sogar abgewickelt.

Rund ein Drittel der Befragten gibt an, bereits Abweichungen zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Liquiditätskonditionen bei einzel­nen Produkten erlebt zu haben. Knapp 21% sprechen dabei von einer substanziellen Verzögerung, 13% von einer kurzen Verzögerung (siehe zweite Grafik). Viele Pensionskassen spürten jedoch keine direkten Fol­gen dieser Verzögerungen, da oftmals nur ein kleiner Teil des Gesamtver­mögens betroffen war.

Schlussbemerkungen

Illiquide Anlagen sind längst mehr als eine Nischenallokation in den Port­folios von Schweizer Pensionskassen. Innerhalb von 15 Jahren stieg ihr Anteil von 23.8 auf 32.4% (per Ende 2025, inkl. Hypotheken 35.7%). Grenzen sind den illiquiden Anlagen eher durch Liquiditäts-, Komplexi­täts- und Kostenüberlegungen gesetzt als durch feste Limiten.

Die Investoren bleiben in Bezug auf die Steuerung dieser Anlageklassen von der Entwicklung der jeweiligen illiquiden Märkte und den eingesetz­ten Managern abhängig. Anlageverantwortliche sollten Risiken und Wech­selwirkungen kontinuierlich im lichte der jeweiligen individuellen Ge­gebenheiten beurteilen.

Take Aways

  • Der Anteil illiquider Anlagen ist inner­halb von 15 Jahren stark angestiegen.
  • Die Suche nach neuen Renditetrei­bern und Diversifikationspotenzial sowie das anhaltende Tiefzinsumfeld waren die wesentlichen Treiber die­ser Entwicklung.
  • Etwa ein Drittel der befragten Pen­sionskassen hat schon mindestens einmal eine Verzögerung bei der Aus­zahlung von illiquiden Anlagen erlebt.

Autoren

Andreas Rothacher und Frank Sikora

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